Von Elfen und Trollen in den Westfjorden Islands

REYKJAVIK-Marathon und die Westfjorde mit Schulz-Aktivreisen

Es ist der 2. August und plötzlich weißt Du: Du hast 10 Wochen frei. KRASS! Was mache ich daraus? Wie die Zeit für sich selbst am besten nutzen? Ein Blick auf meine „Lebens-Reise-Liste“ geworfen und es stach das Wort ISLAND ins Auge. Schnell erinnerte ich mich daran, dass es da ein Marathon im August gibt. Ich habe dann mal Dr. Google aufgesucht und rausgekommen ist meine Gruppenreise mit Schulz Aktivreisen. Sehr spontan – meine Reiseunterlagen kamen ein Tag vor Antritt der Reise. Reicht ja 😉

Jetzt sitze ich hier  und denke über die letzte Woche nach. Ich bin so unfassbar dankbar, dass ich mich zu der Langvariante entschieden habe. Sonst wären mir die letzten 4 Tage entgangen. Die haben für mich Island ausgemacht. Ohne die zusätzlichen Wandertage wäre es „nur“ ein Stadtmarathon gewesen. Und den habe ich nach 3:53:33 gefinisht.

Aber schön der Reihe nach. Ich greife auf meine Notizen in unserem Reisebus am Tag nach dem Marathon zurück – also am Sonntag. Der Lauf war am Samstag, Anreisetag der Donnerstag und am Freitag haben wir uns alle beim Frühstück zum ersten Mal getroffen. Unser Reiseleiter – Rico  aus Dresden – begrüßt uns fröhlich mit seinem sächsischen Akzent, den er zu verbergen versucht 😉 und er im Laufe der Woche immer mehr raus kommmt. Ich glaube, er fühlt sich ganz wohl mit seiner Elfen und Troll Gruppe.  Und jetzt hier zu Hause vermisse ich seinen Humor und Dialekt direkt ein bißchen….. Jeder stellt sich vor und berichtet kurz und knapp seine Lauferfahrung und was er laufen wird am Samstag – also Halbmarathon oder Marathon. Damit die Gruppe nicht so groß wird gibt es zwei Gruppen, die in den Genuss einer Stadtführung kommen. Die einen mit Eis, die anderen eben nicht ….. (Insider). Es ist kurzweilig, interessant und die kleine süße Stadt ist schnell erkundet.Angereichert mit Geschichten der Geschichte von Island.  Den Startbereich vom Marathon inklusive und im Anschluss gönne ich mir noch mit einem Paar aus der Reisegruppe die Marathon Messe. Hin zu Fuß – zurück dann aber doch mir dem Bus. Marathon Messe gehört einfach zum Feeling für mich dazu! Am Abend essen wir gemeinsam beim Italiener und Samstag früh geht es um 8 Uhr zusammen als Reisegruppe auf zum Start. Es wird natürlich ein Gruppenfoto gemacht und dann ist jeder mit sich selbst beschäftigt und auf sich gestellt.

Pünktlich fällt der Startschuss und auf geht es. Die Sonne lacht vom Himmel, es sieht nicht nach Regen aus und der Wind ist auch in Massen zu spüren. Da ich ja kein wirkliches Marathon Training hatte, war meine Idee, mich am 4 Stunden Pace Maker zu orientieren und wenn es mir gut geht, mich dann in der zweiten Hälfte abzusetzen. Dazu sollte es nicht kommen. Der 4-Stunden-Ballon war die ganze Zeit hinter mir. Die Stimmung am Anfang habe ich als mega gut empfunden. Überall Musik aus den Häusern und die Leute haben angefeuert. Ich hatte ein gutes Gefühl und habe mich selbst ermahnt langsamer zu laufen, denn es ist eben doch ein Marathon. Nach Hinten raus würde es sicher hart werden.

Kurz vor der Trennung der Strecke (HM/M) sehe ich Benni aus der Gruppe, der mir Daumen Hoch anzeigt, dass es gut läuft. Er will eine Zeit unter 3:30 laufen, was ihn bei den guten Bedingungen auch gelingt. Bei Kilometer 25 ist Stefan aus Bremen auf mich aufgelaufen und wir sind eine Zeit lang zusammengeblieben. Das kam genau zur richtigen Zeit! Zum einen war in der zweiten Hälfte die Stimmung nicht mehr so gut (an der Strecke und in meinem Kopf). Außerdem war die Strecke auch eher langweilig durch Industriegebiete und Wohngebiete ohne Musik aus den Häusern. Der Kopf fängt an, die noch ausstehen Kilometer zu bewerten. OMG! Aber irgendwie geht es. Dadurch das Stefan da ist, komme ich nicht auf die Idee zu gehen. Immer weiter – der nächste Schritt geht immer (mein Mantra). Es scheint zu funktionieren. Die Strecke wird nicht schöner. Cola gibt es nicht und so traue ich mich dann doch an die „Schlumpfbrause“. Einbildung oder nicht – ich fange an mich zusammen zu reißen und gebe den Umständen entsprechend „GAS“. Scheint auch zu klappen! Frau in der Ferne fokussieren und Programmierung auf überholen! Jeder Läufer, den ich überhole motiviert mich mehr. Später in meiner Aufzeichnung sehe ich, dass die Pace nicht wirklich schnell war. Fühlte sich tatsächlich so an. Wahrscheinlich sind die anderen einfach nur langsamer geworden. Egal – mir geht s gut – also so relativ. Zum Ende wird die Stimmung wieder besser. Wir kommen Richtung Zentrum. Und wir Läufer ernten Respekt und Applaus. Ich spüre, wie meine Freude sich in meinem Körper breit macht und ich es nicht fassen kann, es tatsächlich relativ gut geschafft habe. Ich liebe diesen Gefühlscockltail aus Freude, Erschöpfung, Glück und Dankbarkeit. Ich bin mehr als zufrieden mit mir und habe vielleicht wieder ein bißchen Marathon Blut geleckt.

Nach dem Lauf, und meiner Kaffeepause im LOKI an der Kirche GEHEN! wir gemeinsam zum Schwimmbad – der Weg ist unwesentlich länger als vorhergesagt- eine Eigenschaft, die wohl im Touristikstudium gelehrt wird. Wir hängen ab im heissen Becken – das macht man hier so! Damit ich keinen Kreislaufkolaps bekomme und um was Gutes für die Muskeln zu tun, geht es für mich nochmal in das Becken 8-12 Grad. Unfassbar kalt – unfassbar gut!

Für Abends gibt es keine Gruppenplan. Es ist Kulturnnacht. Die Isländer verabschieden auf diese Art die langen hellen Tage. Die Stadt ist gerappelt voll und Musik an jeder Ecke. Ich lasse mich mit Ingo aus der Gruppe durch die Stadt treiben und wir saugen die Stimmung auf. Essen – trinken und ich falle dann schon um 22 Uhr ins Bett. Nicht schlimm für mich, da ich kein Fan von Feuerwerken bin und sich mich nicht sonderlich wohl in solchen Menschenmengen fühle. Dann werde ich um 7 Uhr vom Wecker aus dem Schlaf gerissen. Um 9 Uhr ist Abfahrt in die Westfjorde. Wandern.
Eine Gruppe von 9 gut gelaunten Finishern und Rico bricht auf zu 4 Wandertagen, die alle auf besondere Weise unterschiedlich sind. Wer hätte das gedacht, wo die Landschaft doch aus dem Bus betrachtet eher überall gleich aussieht.

 

Nun habe ich bei rund 30 Grad die Kleidungsstücke vom Wandern gewaschen und zurück in den Schrank sortiert. Dabei konnte ich die Wandertage nochmal gut reflektieren. Hier ein Bild von den Westfjorden, die wir zu Fuß und mit dem Reisebus erkundet haben:

Die Wanderorte sind markiert.

 

Ich beginne mal mit der Beschreibung aus der Reisebeschreibung:

4. Tag (So 25.08.2019) Fahrt in die Westfjorde mit Basaltbergwanderung – Nun geht es ins Grüne! Ungefähr drei Fahrstunden von der Hauptstadt entfernt, offenbart sich eine völlig andere Welt. Eine Wanderung (3-4 Stunden) zu einem geologisch höchst interessanten Basaltzwillingsberg sorgt heute für die nötige Bewegung. Übernachtung in einem Gästehaus in der Region Baröaströnd.

 

Wir brauchen für die 7.7 Kilometer keine 3 Stunden. Es sind 360 Höhenmeter gewesen, die wir erklommen sind. Ich war ganz glücklich mit meinen Stöcken. So ein Tag nach einem Marathon eine schöne Erleichterung und ein gutes Gefühl von Sicherheit. Ich weiß gerade aus dem heutigen Blick auf den Tag was das schönste war? Die heiße Dusche in der Unterkunft und Draußen den Sturm und den Regen zu hören? Die Pause am Bergfelsen bei völliger Ruhe? Vorher sind wir kurz vorm erreichen des Gipfels von Wind umgepustet worden. Die Waffelpause oder das Essen im Lokal? Auf jeden Fall insgesamt ein schöner Tag mit besseren Wetter als angekündigt zu unserer Zeit der Wanderung. So wird es auch bleiben 🙂

5. Tag (Mo 26.08.2019) Roter Sandstrand und donnernder Wasserfall –  Den Auftakt der heutigen Naturschönheiten macht ein Sandstrand der Superlative. Mutige steigen hier schon mal in die Fluten und der Rest genießt einfach die gewaltige Szenerie. Dann folgt ein Spaziergang zum Dynjandi. Ohne zu übertreiben einer der schönsten Wasserfälle Islands. Übernachtung in einem Gästehaus nahe des Önundarfjordes.

Auf dem Weg zum Wasserfall machen wir natürlich einen Waffelstopp!

Gesättigt und zufrieden auf dem Weg zum überragenden Wasserfall schauen wir alle sehnsüchtig aufs Wasser. Die Chance Wale zu sehen ist da. Heute zeigt sich kein Wal. Das ist bei dem Anblick, der uns dann geboten wird nicht weiter schlimm. Übersetzt hat der Name tatsächlich etwas mit „Donner“ zu tun. Das Wasser kracht gewaltig die 90 Meter runter! 30-60-90 sind die Masse vom Wasserfall: 90 in die Tiefe, oben 30 Meter breit und unten 60 Meter). Ich bin nicht nur vom Wasserfall angetan. Die Wiesen drum herum sehen so unglaublich schön aus. Gelbe Teppiche von Moos in unterschiedlichen Farbnuancen, soweit das Auge reicht. Unser lieber Rico zwingt uns freundlich ihn auf Händen zu tragen. Ritual am Wasserfall – sehr gerne und natürlich mir Fahne 🙂

Insgesamt ein sehr bunter Tag. Und wirklich krass von „unseren“ Jungs – die haben sich wirklich in die Wellen gestürzt. Die Freude konnte man den ganzen Tag noch in den Gesichtern erkenne. Zusätzlich hat jede Unterkunft einen andere Besonderheit. Diese heute hatte eine echt schöne Gemeinschaftsküche. Wir hätten uns selber versorgen können. Wir fahren zum Frühstücken dann aber nochmal in das Lokal vom gestrigen Abend und brechen dann auf zur Strandwanderung. Die Unterkunft am Abend ist insofern Luxus, dass jeder ein Bad auf dem Zimmer hat, bisher hatten wir immer Etagendusche und Bad.

Und noch ein Highlight kommt mir gerade in den Kopf. Wir essen in dem kleine Städtchen  Isafjördur – dem Wohnort von Rico – kleine Stadtführung mit dem Kleinbus inklusive. Nach dem mal wieder leckeren Essen zeigt er uns etwas, was mit Natur ja mal gar nicht zu tun hat – aber megacool ist. Dieser 3D-Zebrasteifen. Wir haben Spass und machen etliche Fotos – das hätte ich die ganze Nacht machen können.

6. Tag (Di 27.08.2019) Tageswanderung um eine Halbinsel – Die umwerfende Kulisse des riesigen Fjordesystems Isafjaröardjup ist heute ständiger Wegbegleiter, wenn wir zur Spitze einer wunderschönen Halbinsel wandern (größtenteils querfeldein). Übernachtung in einem Gästehaus nahe des Mjoifordes.

Bevor wir alle wieder aufbrechen gehe ich noch eine kleine – wirklich kleine Runde –  laufen. Nach der ganzen Sitzerei im Bus muss das mal sein! Rico erzählte uns was vom Sandstrand, den ich aber nicht gefunden habe. War echt zu einfach wie ich später erfahre. Rico fährt mit dem Kleinbus direkt bis AUF den Steg und wir gekommen dazu noch ein paar Erklärungen mit Lawinen und Vulkanunglücken aus vergangenen Tagen.

Es wird die längste Wanderung und mit ansagen wohl auch die, wo wir am nassestens werden – also laut Wettervorhersagen. Ganz so schlimm wird es nicht.  Rückblickend betrachtet für mich der  schönste Tag. Es gab so viele schöne Momente auf der Wanderung – es werden nachher 4:20 Stunden, rund 14 Kilometer und 190 Höhenmeter. Ich bin so unfassbar dankbar, dass ich die Option des Abbruchs nicht angenommen habe. Unsere Füße waren nach den ersten 2 Kilometern schon so was von durch, dass ich kurzfristig echt miess drauf war. Es war wie in der Beschreibung ein Querfeldeinlaufen und da es ja am Tag vorher Katzen und Hunde geregnet hat, war das Grass sowas von nass. Und man konnte teilweise nicht sehen, ob der Fuß sofort festen Boden treffen wird oder gefühlt 30 cm in den Boden einsinkt!  Wie gut dass ich meine wasserdichten Socken an hatte. Mein Schuh war echt durch, Füße waren warm und trocken. Ich glaube auf dem Bildern kann man gut erkennen, wie schön es dann noch wurde.

Zwei aussergewöhliche Highlights – Blaubeervöllerei!

Pause am Wendepunkt am Donnerbalken!

Bei Start der Wanderung hatten wir eine kleine Diskussion mit einem Forschungsteam. Die waren auf der Suche nach Polarfüchsen und fanden es gar nicht toll, dass eine 10 köpfige Wandergruppe durch deren ausgewählten Gebiet stapfte. Was soll ich sagen, die hätte sich uns einfach anschließen sollen, denn wir konnte zwei beobachten – wenn auch nur aus der Ferne 😉

Good Job!

7. Tag (Mi 28.08.2019) Gletschertalwanderung und Rückfahrt nach Keflavik – mit dem Kleinbus geht es zurück nach Reykjavik bzw. Keflavik. Eine lange Fahrt steht bevor. Eine Wanderung in einem Gletschertal sorgt für die gewünschte Auflockerung und Bewegung. Ankunft in Reykjavik am frühen Abend. Wer noch eine Übernachtung in Keflavik gebucht hat, wird zum Gästehaus gebracht.

Und an dem letzten Abend essen wir nochmal gemeinsam und ziehen alle zusammen eine positive Bilanz. Wenn auch der letzte Wandertag echt hart war. Es waren zwar nur 8,7 Kilometer und keine 3 Stunden und auch nur 150 Höhenmeter. Wir sind auf den Gletscher zu gewandert. Je näher wir gekommen sind, umso windiger wurde es. Zusätzlich hatte es geregnet. Aber was soll ich sagen. Wenn ich mir die Bilder so ansehe – ja ich sehe aus wie eine Michelin Dame. Aber mir war warm und ich selber bin trocken geblieben. Funktionskleidung ist eben alles.

 

8. Tag (Do 29.08.2019) Abreise

Mit der Fahrt zum Flughafen ist immer noch nicht Schluss. Rico hilft uns allen mit dem Koffern und begleitet uns bis zum Sicherheitscheck. Ganz große Klasse. Vielen Dank!

Und wenn Du mal kein Licht am Ende des Tunnels siehst – dann singe einfach ein Lied!

 

 


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