Guten Morgen Sonnenschein

Mit diesem Hit von Nana Mouskouri wurden ich und 6 andere Mitsegler in der letzten Woche jeden Morgen vom Skipper Stefan auf der Avalon geweckt. Dieses Lied verbreitet einfach gute Laune – Du kannst nichts dagegen tun.

Eine Woche Segeln liegt nun hinter mir und ich sitze schwankend am Küchentisch und denke,  diese Erfahrung hat mal wieder einen Eintrag in meinem Blog verdient. Der Plan war jeden Tag Tagebuch zu schreiben. Daran war nicht zu denken – schreiben passte einfach nicht in den Tagesablauf. Im Flieger habe ich mir ein paar Notizen gemacht und lange über einen möglichen Titel für diesen Beitrag nachgedacht. Untertitel ist auf jeden Fall:  „Segeln – mein Weg zur Mitte“.

Ich habe eine Reise gesucht, um Weihnachten nicht alleine zu Hause zu sein. Ein klassischer Club Urlaub,  wie letztes Jahr,  wollte ich auf keinen Fall. Also warum nicht mal Segeln ausprobieren !? Und da ist sie wieder – meine offene Art, die Leichtgläubigkeit oder auch der Mut beim Buchen. Im  nachhinein hätte es auch eine absolute Katastrophe werden können. Keine Ahnung im Vorfeld, was da auf mich zukommt. Einfach mal machen – könnte ja gut werden 🙂

Denken in der letzten Woche war eh eher wenig. Acht Menschen, die sich vorher nie gesehen haben, auf kleinsten Raum eine Woche als Team unterwegs. Skipper Stefan, 5 Segler mit unterschiedlichen Erfahrungen, 1 Person – neugierig auf das Segeln und Fotograf und eben ich. Die Motive des Buchens konnten unterschiedlicher nicht sein. Ich habe über Singlereisen gebucht und ein Aktivurlaub gesucht, die anderen hatten ganz klar Segeln als Hauptgrund.

Der erste Segeltag hatte direkt alles in sich. Schlimmer hätte es für mich fast nicht kommen können. Viel zu lange auf See; viel zu viel Wind; keine Bewegungsfreiheit; emotionale Achterbahn, Fische füttern, was mache ich hier!? Wenn das für jeden Tag so geplant ist, fliege ich nach Hause – das war klar für mich am ersten Tag. Am Abend gab es eine Feedback Runde, so dass es nicht so kommen sollte. Es ging mir jeden Tag besser: von 2 Mal Fische füttern auf 1 Mal am zweiten Tag reduziert. Am dritten Tag schon beim Frühstück „gespuckt“ –  vor Lachen, den Tee in die Spüle 🙂

Belohnung am ersten Segeltag war der Tanz der Delphine:

Und hier noch ein Eindruck zum Seegang am ersten Tag, wo es mir echt schlecht ging (wie man sieht)!

Das war unsere Reisewoche:

Tag 1 – 23.12. Segelstart 11 Uhr Teneriffa; Marina San Miguel Richtung La Gomera; Angekommen sind wir nach Kursänderung wieder auf Teneriffa im Puerto de Garachio in der Dunkelheit nach über 8,5 Stunden auf See. Die Hafeneinfahrt war nach der Tour eine echte Challenge. Es sah aus, als würden wir gegen einen Berg prallen aber plötzlich auf Steuerboard war die Einfahrt zu erkennen und mit den grünen und roten Lichtern entsprechend gekennzeichnet. Mein Laufuhr sagt 91,72 Kilometer also rund 50 Seemeilen und 5,7 kN. Alle  die nicht die Fische gefüttert haben gehen an Land essen, ich bleibe mit Monica an Board. Ich bin völlig fertig und wir haben einen ruhigen Abend.

Tag 2  – 24.12. Wir bleiben den ganzen Tag im Hafen, ausschlafen, chillen, einkaufen, und ich gehe laufen! Hier im Hafen kommt meine rosa Weihnachtsmütze für ein paar Fotos zum Einsatz. Ist ja schließlich Weihnachten. Am Abend gehen wir essen und haben alle zusammen einen schönen Abend.

Tag 3 –   25. 12. Um 11 Uhr machen wir uns auf den Weg zur nächsten Insel – La Palma. Längste Strecke (110 KM – fast 60 Seemeilen). Nach 11 Stunden  erreichen wir den Hafen RCN Santa Cruz de la Palma. Gegessen wird heute an Board um 22.40! Das Küchenteam Barbara und Manuel haben uns lecker gekocht. Und never change a running System- Die Küchencrew steht – Danke dafür!

Tag 4 – 26.12. Ein ganzer kompletter Landtag. Ausschlafen, einkaufen für unsere Verpflegung, chillen; spazieren gehen. Laufen gehen, aber dann doch lieber Eis essen. Die Insel ist einfach nicht für eine gemütlichen flachen Lauf geeignet. Egal!In diesem Urlaub ist vieles anders. Ich habe einen gemütlichen kleinen Spaziergang mit Barbara und genieße die kleinen, engen Gassen. Für meine Küche kaufe ich mir zwei schöne bunte Porzelan Platten, die auch heile angekommen sind. Und für den Wohnwagen zwei schöne Kochlöffel aus Holz. (Ich werde auf jeden Fall weiter Camping machen mt meiner Heidewitzka – aber eben nicht auf dem Wasser.)

Tag 5  – 27.12. Leinen los um halb neun. Ziel ist die Insel La Gomera, die wir nach fast 9,5 Stunden erreichen. Und wer mich kennt, wird nicht glauben, dass ich 5 Stunden still sitzen kann – dabei einfach nur aufs Meer schauen kann und einfach nur zufrieden bin. Diesen Zustand habe ich bei mir noch nie in der Form erlebt. Das muss wohl das „Hier und Jetzt“ oder „die Mitte“ sein. Für dieses Gefühl bin ich sehr dankbar.

 

Tag 6 – 28.12. Vormittags chillen und Leinen los um 13 Uhr– so der Plan. Die Tortilla von Skipper Stefan hat die Abfahrt etwas verzögert. Aber das war es wert! Auch wenn ich nur kurz probiert habe. Nur nicht zu viel davon in dem Magen vorm dem Segeln. ich habe auf dieser Reise quasi Intervallfasten gemacht 🙂 Ziel ist wieder Tenerriffa. Auf diesem Törn hat die Küchencrew schon während der Fahrt das Essen vorbereitet. zweilerlei Dips für das Anlegebier. Ich habe mich wieder in der Disziplin still sitzen und aufs Meer schauen geübt und weiter diese Zufriedenheit genossen. Die schöne Idee einer Flaschenpost haben wir umgesetzt. Irgendwo im Atlantik treibt jetzt eine Rotweinflasche mit unseren guten Wünschen. Den Hafen erreichen wir wieder im dunkeln und werden beim Anlegen in zweiter Reihe nochmal richtig gefordert. Dann gibt es den Dip, wir machen uns frisch und haben einen schönen gemütlichen letzten Abend an Board.

 

 

 

Die zweite Waschmaschine läuft, es schwankt immer noch hier an meinem Küchentisch. Hoffentlich bleibt das Gefühl noch ein bisschen. Ich habe in dieser Woche ganz klar meine Komfortzone erweitert und viel über mich und andere Menschen gelernt. Für mich schließt sich heute ein Kreis. Genau vor einem Jahr habe ich diese Wohnung nach meiner Trennung bezogen. Nach einen Jahr denke ich,  habe ich die Mitte gefunden und genau jetzt kommt ein kleines Tränchen gekullert.

Vielen Dank für diese Erfahrung und Euch allen ein guten Rutsch ins neue Jahr. Passt auf Euch auf. Ich werde weiter offen für Neues sein.

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